Arschloch

Wie schon so oft zuvor sitze ich hier an diesem Fenster und sehe in den blauen Himmel, den wir einst gemeinsam erblickten.

Kannst du dich noch an die kleinen Zuckerwattewolken erinnern?

Nun, da ich hier alleine sitze, kommt mit dies alles verändert vor.

Der Himmel hat ein dunkles blau angenommen und die Zuckerwatteflöckchen sind zu schwarzen Gewitterwolken geworden.

Ist es Realität oder Einbildung?

Die einst so schöne Natur spiegelt meine Seele wider.

Keine Blume blüht, kein Vogel singt und der Himmel weint.

Und alles, was mir bleibt, sind die Erinnerungen an die schönen Tage mit dir.

Wir hatten nicht viele, nicht genug.

Viel zu schnell hat dich mir das Schicksal genommen und einen grauen Schleier über die Welt gelegt.

Gerechtigkeit? Wen kümmert's schon?

Das Schicksal? Nein, das Schicksal ist grausam und herzlos.

Kaum einer würde sagen das Schicksal sei gerecht.

Herbst.

Herbstzeitlose.

Zeitlos.

Lieblos.

Ohne dich.

Allein.

Du warst alles, was ich in meinem Leben hatte.

Du warst der Sonnenstrahl, der mich in meinem Schlaf an der Nase kitzelte.

Du warst der Windhauch, der mich sanft streichelte.

Du warst der kleine Sommerschauer, der mich wachsen ließ.

Kaum einer vermag zu wissen, was du mir bedeutet hast.

Und heute noch bedeutest.

Du wurdest mir weggenommen, wurdest herausgerissen aus dem Leben, das du so liebtest.

Und als ich dich dort leblos liegen sah, die Augen geschlossen, der Mund leicht geöffnet - du sahst so friedlich aus - erstarb auch in mir etwas.

War es die Fröhlichkeit, die unstillbare Lust zu leben?

Wenn mich heute ein Sonnenstrahl an der Nase kitzelt, ist es wie ein Stich in mein Herz.

Alte Erinnerungen steigen in mir auf, der Druck in mir wird zu groß, um überleben zu können.

Wenn ein lauer Windhauch mich sanft streichelt, wünsche ich mir, dass er mich mitnimmt.

Weit weg. Dorthin, wo es keine Gedanken, keine Gefühle und keine Schmerzen gibt.

Berührt mich ein Regentropfen, so träume ich von einem reissenden Fluss, der all meine Probleme mitnimmt, fort, in das Ungewisse.

Ich ahbe nicht das Recht mich zu beschweren, habe ich das Schicksal doch so oft herausgefordert, habe mir gewünscht allein zu sein, weg von dir.

Aber ist es gerecht, jemanden für seine Fehler so hart zu bestrafen?

Ist es gerecht dich dafür büßen zu lassen?

Du warst so ein toller Mensch, der Beste auf der ganzen Welt.

Jeder war dir wollkommen, hast alles dafür getan, dass es den Menschen in deiner Umgebung gut ging.

Aber das Schicksal ist nicht gerecht.

Seine Taten würfelt es und rechtfertigt sie mit seinem Namen.

Das Schicksal ist ein Arschloch mit dem Aussehen eines Engels.

12.1.10 21:32, kommentieren

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Parasit

Wie gefräßige Geier zieht die Einsamkeit ihre Kreise über meinem Kopf und ich warte darauf gefressen zu werden, hineinzufallen in das tiefe Loch der Depression.

Mein Gehirn ist voll mit Erinnerungen und Gedanken, die sich wie dicke, weiße Maden in jede Zelle fressen und meinen Körper mit deinem Bild vergiften.

Ich habe es versteckt in der hintersten Ecke meines Kopfes, in der Hoffnung, nie wieder von ihm belästigt zu werden.

Doch ist es zu anstrengend die Gefühle, die mich täglich an dich denken lassen, einzusperren, zurückzuhalten, auszumerzen, wie einen unerwünschten Parasiten!

1 Kommentar 12.1.10 21:30, kommentieren

Kleine Heldin

Plötzlich schlug sie die Augen auf.

Gerade noch hatte sie geträumt. Ein schöner Traum.

Sie hatte ihr Bett geteilt.

Einfach nur nebeneinander liegen, mit dem Gefühl, dass jemand da ist.

Doch nun musste sie feststellen, dass da niemand war.

Niemand, der ihr mit einem Lächeln ''Guten Morgen'' wünschte.

Niemand, der sie in den Arm nahm.

Niemand, der ihr die Tränen wegwischte.

Nur ein leeres Kopfkissen, eine Decke, die noch unberührt war.

Das Bett fühlte sich hart an.

Eher wie ein Kerker, nicht wie ein Zuhause.

Ihre Bettdecke war wie Stein, schwer, erdrückend, Luft raubend.

Und immer wieder fiel ihr Blick auf den Platz neben ihr, der doch eigentlich besetzt, der warm sein sollte.

1 Kommentar 12.1.10 21:29, kommentieren

Eisreif

Nicht nur auf den Bäumen liegt der Schnee, auf Dächern, Autos, jedem kleinsten Grashalm.

Auch auf mir liegen meterdick die weißen Massen und versuchen mich zu zerquetschen, wie ein Insekt, nehmen mir die kostbare Luft, die Leben heißt.

Auch an jenem Tag lag der Schnee, knietief, und zeigte nichts von seiner Schönheit.

Erbarmungslos und grausam war er und erfror jedes Gefühl, das glücklich machen sollte.

Dein Herz, das warm sein und schlagen sollte, war im winterlichen Eisnebel erfroren und für immer starr geworden.

Auf deinem letzten Lidschlag lag der Eisreif.

12.1.10 21:26, kommentieren